Tage ohne Smartphone

Früher hatten wir doch auch keines...

Montag war ein schöner Tag. Ja wirklich, ohne Ironie. Bis zum späten Nachmittag. Wir beschlossen, noch einkaufen zu fahren. Am Weg zum Auto hatte der Wind ein paar Zweige auf den Gehweg geweht. Damit niemand drüber stolperte, hob ich sie auf. In dem Moment sah ich mein Handy aufs Pflaster knallen. Noch nie fiel es mir aus dieser Manteltasche. Wahrscheinlich stieß ich mit dem Knie dagegen oder so, es ging alles sehr schnell müsst ihr wissen. Mit dem Display nach unten lag es also da auf dem Boden. Zehn Zentimeter weiter links wäre es auf den Rasen gefallen. Jaja, dieser Konjunktiv.

Schon Böses ahnend aber noch voller Hoffnung hob ich es hoch. Und sah Scherben. Ganz kurz flammte nochmal die Hoffnung hoch, vielleicht ist ja nur das Schutzglas gebrochen. Doch als ich versuchte es zu bedienen war klar – rien ne va plus. Nichts geht mehr.

Die Suche

Ich steckte es also erneut in die Tasche und fluchte gedanklich vor mich hin. Es war 17:40 Uhr, bald würden die Geschäfte schließen. Zeit also, sich auf den Weg zu machen. Zuerst gezwungenermaßen zum Elektrohändler…

Dort angekommen stand ich vor einer Vitrine, die mir im ersten Moment nichts sagte.  Ich hatte mir keine Gedanken über ein neues Smartphone gemacht. Klar liebäugelt man ab und zu mal mit neuen Modellen, die man irgendwo in einer Werbung oder Zeitschrift sieht. (An dieser Stelle speichere ich diesen Text zwischen, denn einmal mehr habe ich gelernt – speichern ist nicht feig. Sondern sinnvoll, um Wutausbrüche zu vermeiden.)

Bis dato war ich sehr zufrieden gewesen mit meinem Handy. Ja, Smartphone, aber ich sag nun mal immer Handy dazu. Hat was von „als ich so alt war wie…“ und ist noch immer im Gehirn präsent und außerdem kürzer. Ich hätte mir am liebsten dasselbe wieder gekauft, was aber bei einem drei Jahre alten Gerät nicht wirklich zu empfehlen ist. Auch Reparatur war nicht sinnvoll, da seit ein paar Wochen auch der hintere Deckel schon kaputt war und nun eben das Display Schrott. Der Verkäufer zeigte mir ein paar vorhandene Ausstellungsstücke und fragte mich nach meiner Preisvorstellung. Das, was ich mir am ehesten vorstellen konnte, war natürlich nicht vorrätig. Und zehn Minuten vor Ladenschluss irgendetwas kaufen, damit man irgendetwas hat, nein danke.

Digital Detox

Ein paar Tage kommt man doch locker ohne so ein Ding aus, dachte ich. Früher, da hatten wir das Zeug ja auch nicht und so. Und ging auch. Ich würde mir einfach die nächsten Tage in Ruhe die aktuellen Handy-Smartphones zu Gemüte führen und mich dann entscheiden. Ich borgte mir ein altes Handy aus, um zumindest im Notfall erreichbar zu sein.

Zuhause steckte ich mein geschrottetes Handy an den PC und hoffte, zumindest noch Fotos und ähnliches sichern zu können. Doch nicht nur das Display war kaputt, sondern auch der USB Eingang. (Hier fluchte ich wieder gedanklich.) In meiner Vorstellung war der Handy-Neukauf ganz anders. Viel romantischer nämlich. Man sieht ein Neues, findet es cool, kauft es sich, installiert sich alles aufs Neue drauf, sichert sich Kontakte, Daten und Fotos, tauscht dann gemütlich die SIM-Karte und legt das alte Handy in eine Schublade, weil vielleicht braucht man es ja – ihr wisst schon.

Anstatt Daten und Fotos zu sichern saß ich nun also da am PC und las Testberichte, Vergleiche, Bewertungen. Ungefähr vier Minuten lang, bevor das Kind unbedingt auf der Tastatur herumdrücken wollte und nicht mehr aus dem Raum zu bringen war. Ich war also so schlau wie vorher. Das Modell, das meinem jetzigen am ehesten nahe kam, war erst im April verfügbar und schweineteuer. Der Vorgänger war kantig, riesig und sagen wir es mal so: schirch. Das andere, das in Frage kam, war gerade bei dem Händler nicht lieferbar und 50,- teurer als überall sonst. Grml. Ich beschloss, mich mit meinem Buch auf die Couch zu setzen, Digital Detox ist ja eh grade voll in, nicht wahr? Ist ja auch befreiend, nicht ständig aufs Handy schauen zu müssen. Und wer braucht schon so ein Smartphone, tz!

Tag 2

Es läuft doch eigentlich ganz gut! Hör ich heute halt mal keine Musik beim Kochen. Spotify, hatten wir ja früher auch nicht. Und schau ich halt mal keine komischen Videos, die mir irgendwer in die Timeline spült. Les ich halt mal keine lustigen Tweets und sehe erst wenn ich wieder am PC bin, ob mir wer eine Nachricht oder eine Mail geschrieben hat. So what! Und das eine Spiel, das ich ganz gerne gespielt habe, das fang ich irgendwann einfach mal neu an.

In den Garten nehm ich mir ein Buch mit, ganz einfach! Oh und die Krokusse blühen so herrlich! Also hole ich meine Spiegelreflex-Kamera aus der Tasche. Sollte ich viel öfter machen! Langsam gewöhne ich mich daran. Dachte ich.

Mal schnell...

Bis ich mal schnell… Genau. Dieses mal schnell. Mal schnell ein Foto vom Bauwerk des Kindes machen. Mal schnell nachschauen, wie morgen das Wetter wird. Mal schnell das Buch, das im Buch empfohlen wird, auf die Wunschliste speichern. Mal schnell… Nix.

Vor allem die Kamera fehlt mir. Schon komisch, oder? Aber ich liebe es eben, zu fotografieren. Also beschloss ich, am Dienstag Nachmittag doch nochmal nach einem neuen Handy Ausschau zu halten. Davor bekam ich ein SMS, dass am Mittwoch ein Termin ausfällt. Das hat mich sehr gefreut, denn dann konnte ich doch zu meiner Klavierstunde. Ich wollte also schnell meiner Klavierlehrerin Bescheid sagen dass ich doch komme – aber ich hatte leider keine Nummer mehr von ihr. Anscheinend waren nicht alle Nummern auf der SIM-Karte… Wie sehr wünscht man sich da ein gutes, altes Notizbuch!

Auf dem Weg zum Auto wollte ich den Saugroboter mal schnell – ach ja, ich vergaß.

Händlersuche

Da mir der Händler meines Vertrauens leider weder preislich noch bei der Lieferzeit entgegenkommen konnte, zog ich weiter zu dem Konzern mit der roten Schrift. Dort ließ man mich ewig warten. Wahrscheinlich bin ich nicht der antrainierte Kunde in der falschen Abteilung. Die Lautsprecher plärrten etwas wie Metallica für Arme, so dass ich mich dann zum Infoschalter stellte, bevor ich Kopfschmerzen bekam. Dort erklärte man mir, ich könnte das Ausstellungsmodell kaufen, oder aber mir das Gerät nach Hause schicken lassen und Versandkosten zahlen. Ich fragte, ob ich es nicht in die Filiale liefern lassen könnte, zum vereinbarten Preis? Da hieß es nein, das ginge nicht. Ich sagte dankend ab. Ich bin ja nicht blöd!

Also weiter zum nächsten Einzelhändler. Dieser war sehr bemüht und hatte auch noch den besten Preis, leider aber war das Gerät auch hier nicht lagernd. Ich meinte, ich käme gegebenenfalls dann nochmal vorbei und bedankte mich. Ich ging noch zu dem Händler mit dem Löwen. Dort gab es das Gerät, leider nicht in meiner Wunschfarbe aber das Leben ist anscheinend im Bereich Handys kein Wunschkonzert… Auch nicht, wenn man über 400,- auszugeben bereit ist. Doch auch hier war man leider nicht sehr bemüht und auch noch teurer. Natürlich hätte ich mir das Ding im Internet bestellen können, aber wisst ihr was? Das wollte ich nicht.

Deshalb führte mein Weg zurück zum vorigen Händler, wo ich dann das Gerät bestellte. Mit Glück werde ich also diese Woche noch ein neues Smartphone besitzen. Was sehr schön wäre, da ich am Samstag bei Motorwelten gerne so ein Ding mit Kamera mit hätte… Ich werde mir auch die vermaledeite Kleberei des Displayschutzglases ersparen, da der Händler das für mich macht. Im Endeffekt habe ich jetzt für Gerät plus Schutzglas plus Silikonhülle dasselbe bezahlt, wie ich bei dem Händler mit der roten Schrift nur für das Gerät bezahlt hätte. Plus Versandkosten. (Wie gesagt: Ich bin doch nicht blöd. Zumindest nicht so sehr.)

Datensicherung ist klug

So sitze ich nun hier, ohne Smartphone, und hoffe, zumindest noch die Fotos am alten Gerät retten zu können. Sonst ist ein Monat weg. Ein Monat in dem wir große Schneemänner gebaut haben und meine Schwester ein Brautkleid ausgesucht hat, was ich mit dem Handy dokumentiert habe. Ebenso weg sind viele Kontakte. Auch von meinem Zyklus muss ich mich diesen Monat überraschen lassen, da ich diese Aufzeichnungen am lokalen Handyspeicher hatte. Und mein Entwürfe-Ordner und meine Favoriten sind wahrscheinlich weg. Was mir sonst noch fehlt, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Aber eins hab ich wieder mal gelernt: Zwischendurch speichern und Daten sichern ist nicht feig…

Wann habt ihr zuletzt eure Daten gesichert? beresmile

 

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