Internationaler Frauentag 2017

Ja, wie wäre er, #MeinTagohnemich ?

Zum Internationalen Frauentag 2017 gibt es die Aktion mit dem Hashtag #MeinTagohnemich. Es geht darum, wie wäre dieser Tag, wenn wir Frauen streiken? 

Ein Tag ohne Mama. Ohne Ehefrau. Ohne alltägliche Dinge, die ich halt so mache.

(Fast) alles wie immer

Der Tag wäre wohl nicht viel anders. Denn wenn ich einen Tag "frei" hätte, dann würden wir ihn vorher gut organisieren. Mein Mann müsste sich einen Tag Urlaub nehmen. Er würde meinen Alltag übernehmen, mich super ersetzen, alles was halt so anfällt. Ich hätte vorab möglichst einen Tag ausgewählt, wo wir keine Termine oder sonstige Verpflichtungen haben.

Er hätte unserer Tochter die Windeln gewechselt, ihr die Haare gekämmt, die Zähne geputzt, sie angezogen, ihr Frühstück gemacht, mit ihr Playmobil oder Lego gespielt, Mittagessen gekocht, einen Spaziergang gemacht, sie vor Stürzen und Verletzungen bewahrt, zig Bücher vorgelesen, verschüttete Mandelmilch aufgewischt, die Meerschweinchen und Enten gefüttert, die Küche sauber gemacht, Obst klein geschnitten, den Geschirrspüler aus- und eingeräumt (wenn auch nicht so, wie ich das machen würde berewink ) und mich freudig erwartet, wenn ich wieder heimkomme.

Die Wahrheit ist nämlich:

Einen Tag lang ist das alles kein Problem. Wenn der Tag vorab geplant war. Wenn nicht plötzlich alle gleichzeitig - oder nur ich - krank sind.

Anders sieht es aus, wenn ich ungeplant ausfalle. In den letzten fünfeinhalb Jahren kann ich mich nur an zwei oder drei Tage erinnern, wo das passiert ist. Einmal hatte mich das Noro-Virus ereilt und ich war einfach unfähig, vom Bett aufzustehen. Damals brachte er mir unsere Tochter - damals noch ein kleines Baby - nur zum Stillen und nahm sie dann wieder zu sich.

Der zweite Tag, an den ich mich erinnere, ist ein Migräne-Tag. Da konnte ich einfach nicht mehr. Ich schrieb ihm damals eine SMS, dass er bitte früher nach Hause kommen soll. Ich hatte solche Kopfschmerzen, dass ich kaum die Augen öffnen konnte. Bis zum frühen Nachmittag kämpfte ich mich durch, bis er mich erlöste und sich um unsere Tochter kümmerte. Natürlich war das bei ihm in der Arbeit schwierig zu regeln. Einfach so alles stehen und liegen lassen ist in fast jedem Beruf sehr schwer möglich.

Gedankenspiel

Spielen wir das Gedankenspiel weiter - was wäre, wenn ich komplett ausfallen würde, für länger - oder sagen wir, für immer?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Mein Mann müsste wohl kündigen. Er würde wahrscheinlich in eine Wohnung ziehen müssen, weil er sich das Haus nicht mehr leisten könnte. Er müsste die Haustiere abgeben. Er hätte ein verstörtes Kind, das mit der Situation nicht zurecht käme.

Doch genauso ginge es mir. Wäre ich plötzlich alleinerziehend, so wie viele andere, dann wäre es genauso. Dann wäre da niemand mehr, der mich für eine gewisse Zeit ersetzen und mir etwas abnehmen kann. (Deshalb HUT AB vor allen alleinerziehenden Elternteilen und allen, die sich alleine um einen oder mehrere pflegebedürftige Menschen kümmern müssen!)

Manchmal sorgen mich diese Gedanken. Wenn ich von Unfällen und Krankheiten lese, von Schicksalsschlägen und zerrütteten Familien, die an den Herausforderungen des Alltags mit pflegebedürftigem Kind scheitern.

Dann musst du halt...

Was kann ich dagegen tun? Ein Stück weit kann ich mich versichern. Wir haben gegenseitige Risiko-Lebensversicherungen, um im schlimmsten Fall zumindest einen kleinen Teil abzudecken. Wir haben eine Unfallversicherung. Für unsere Tochter haben wir eine Krankenversicherung. Weitere Versicherungen sind finanziell mit einem Einkommen derzeit nicht leistbar.

Ansonsten kann ich nur hoffen. Hoffen, dass es das Schicksal gut mit uns meint. Hoffen, dass wir gesund bleiben. Hoffen, dass niemand, der uns mit dem Auto entgegen kommt, auf unsere Fahrbahn gerät. Hoffen, dass mein Mann in der Arbeit nicht von einer Leiter fällt. Hoffen, dass wir Eltern unsere physische Arbeitskraft möglichst lange erhalten und nicht selbst auf Pflege angewiesen sind.

Ich wollte diesen Beitrag eigentlich noch umfangreicher schreiben. Doch eine weitere Wahrheit ist: Ich habe heute - wie an ca. 350 Tagen im Jahr - nicht "frei". Weil ich Mama bin. Aus ganzem Herzen.

Wenn ihr mehr zu diesem Thema lesen möchtet, sucht nach dem Hashtag #EinTagohnemich oder #Daywithoutawoman - es sind schon viele tolle Beiträge online! heart

 

Wie wäre euer Tag, was würdet ihr machen, wenn ihr einen Tag komplett frei hättet?

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