Brief an eine entspannte Mama

Liebe entspannte Mama...

...es war interessant für mich, dir zuzusehen.

Dein ebenfalls entspanntes Baby hat zufrieden gespielt, gelacht, dich angehimmelt, sich an dich gekuschelt. Es hat kurz gequengelt, als es Hunger hatte. Und als es gegessen hatte, war es wieder zufrieden. Ich war ganz fasziniert von euch.
 
Da war aber noch ein Gefühl. Nein, es war kein Neid. Es war eher Wehmut.
 
 
Ich hatte leider kein entspanntes Baby. Oftmals habe ich und auch andere den Fehler bei mir gesucht. Mache ich etwas falsch? Übersehe ich etwas? Wie könnte ich meinem Baby helfen? Soll ich zu einem weiteren Arzt, einer weiteren Behandlung, oder mache ich dann die Panik des Kindes vor fremden Menschen nur noch unnötig schlimmer?
 

"Sei du selbst entspannt, dann ist auch dein Kind entspannt", hieß es.

 
Doch so einfach war es nicht. Denn wenn dein Baby ohne ersichtlichen Grund stundenlang schreit, du es die ganze Nacht und den ganzen Tag herumträgst, schaukelst, stillst, in vielen Nächten keine halbe Stunde schläfst, das Kind weder im Auto, noch im Kinderwagen, noch in der Trage zur Ruhe kommt, dann ist es als Mama schwierig, sich zu entspannen.
 

Vielleicht?!

 
Vielleicht sind es Blockaden. Vielleicht sind es Bauchkrämpfe. Vielleicht isst du etwas Falsches. Vielleicht sind es die Zähne. Vielleicht ist es ein Schub. Alle hatten mögliche Erklärungen. Alle hatten Ratschläge. Nur eines hatte niemand: Hilfe.
 

Es war nämlich nichts davon. Es war einfach nur die Welt.

 
Eine Welt, in der sich für manche Menschen alles zu schnell dreht, alles zu laut ist, zu unberechenbar, einfach von allem zuviel.
 
Jetzt ist mir so manches von damals klar. Jetzt verstehe ich vieles besser. Doch das gibt mir die schöne Babyzeit, die viele andere haben, nicht mehr zurück.
 
 
Liebe entspannte Mama, ich hoffe du kannst manchmal diese Zufriedenheit genießen, auch wenn bei dir bestimmt nicht immer alles rosig ist. Ich jedenfalls habe es genossen, dir zuzusehen. Ich habe mich mit dir gefreut, wenn dein Baby dich angelächelt hat. Ich habe mich für dich gefreut, wenn sich dein Baby zufrieden an dich gekuschelt hat.
 
Ich gebe mein Bestes, und auch das reicht oft nicht. Ja, manchmal bin ich entmutigt, müde und ausgelaugt, doch ich wachse mit den Herausforderungen. Aber eines hätte ich mir damals schon gewünscht: 
 
Verständnis und Akzeptanz dafür, dass nicht jede Mama eine entspannte Mama sein kann.
 
 
 
 

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Kommentar von Evelin |

Das sind sehr liebevolle, berührende Worte. Ich finde es sehr gut, dass Neid kein Raum geben wird. Wenn wir uns als Mütter gegenseitig Verständnis und Unterstützung schenken, wird eine stressige Babyzeit auch für abgespannte Mamas etwas entspannter. In diesem Sinne sende ich liebe Grüße - voll von Empathie, Sonnenschein und Achtung Deiner täglichen Arbeit. Evelin

Antwort von Tina Nerradt

Danke für die lieben Worte! 

Kommentar von Babsi |

Liebe Tina, ein sehr berührender Brief. Und ein wenig Wehmut empfinde ich mit dir. Es ist schade, dass die Babyzeit alles andere als entspannt war für dich/euch. Fühl dich gedrückt.
Liebe Grüße Babsi

Antwort von Tina Nerradt

<3

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